Persönliches

25 Jahre war ich Manager auf Zeit und für große Change‐Prozesse verantwortlich. Die betroffenen Budgets lagen dabei häufig über 100 Millionen, die betroffenen Mitarbeiter zum Teil über 30.000. Zumeist war ich direkt dem Vorstand unterstellt.

Ich war Narzisst, denn anders kommt man bei Blue‐Chips nicht nach oben. Macht war wichtig, Eitelkeit auch, und das Geld nutzte sich sehr schnell ab. In dieser Zeit habe ich trotz erfolgreicher Projekte vor allem gelernt, wie man es nicht machen sollte.

Vor etwa 14 Jahren bin ich ausgestiegen und habe in Zürich eine Praxis für Coaching und Psychoanalyse gegründet. Meine Klienten stammten auf Grund meiner Geschichte häufig ebenfalls aus Führungspositionen. Und wieder war ich „erfolgreich“.

Es folgte, was Menschen wie mich, die sich zwar nicht der eigenen Entwicklung, aber der Tiefe ihrer Sehsüchte und ihrem Schmerz verweigern, oftmals einholt: eine Belastungsdepression mit folgendem Burn‐Out.

Nichts ging mehr, und der Therapeut ging in die Klinik. Schon als ich aus dem Managerleben ausstieg, war da eine Ahnung, dass etwas nicht stimmt. Dass ich oberflächlich kontaktfreudig, in der Tiefe aber isoliert und einsam bin – dass mich nichts wirklich erreicht, dass jeder Erfolg, den ich habe, mich nur zum nächsten treibt und dass das Eigentliche, von dem ich keine klare Vorstellung hatte, in mir immer mehr verhungert.

Im Anschluss an meinen Klinikaufenthalt nahm ich meine Arbeit wieder auf begann meine zweite Lehranalyse. Sie half mir, mich neu zu entdecken und den Narzissmus, mit dem ich viele Jahre meine Seele verkaufte zu überwinden.

Es war eine schwierige Zeit, in der ich lernte, dass Tränen der Weichspüler für mein Herz sind. In der ich aber auch lernte, dass Gefühle zu haben, diese zuzulassen und in aller Tiefe zu zeigen, kein Zeichen von Schwäche ist, sondern mich stärkt. Wenn ich Gefühle sage, meine ich keine dramatische Gefühlsduselei, sondern ein Mitgefühl mit allen Wesen, welches keineswegs meine Handlungsfähigkeit einschränkt.

Seit drei Jahren bin ich wieder in der Führung/Managementberatung mehrerer mittelständischer Unternehmen tätig. Diesmal allerdings in einer authentischen und klaren Seniorität. Ich empfinde keine Einschränkung und kann, wenn es nötig ist, dieselben unpopulären Maßnahmen umsetzen wie früher. Der Unterschied ist: Ich tue es mit Mitgefühl und einem offenen und oftmals schmerzendem Herzen. Mein Handeln ist nicht mehr getrennt von meiner Haltung und ich trage auch für unangenehme Entscheidungen die Verantwortung. Das macht sie nicht leichter, aber mich klarer.

Wer selbst seine Seele, und sei es nur ein klein wenig, verkauft hat, kennt das Gefühl einer Leere im Herzen, die durch nichts gefüllt werden kann. Und er kennt die Scham, eine Mogelpackung zu sein.

Die Unterstützung von Freunden und das Leben mit Tieren haben mir geholfen, mich nicht wie Faust oder Dorian Gray in dieser Leere zu verlieren.

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