Die Ursachen liegen oft tiefer

Das Präsentationsproblem bzw. das Anliegen, welches Sie zu mir führt, ist oft nur die Oberfläche.
Es ist ein Symptom und hat häufig wenig mit den Mustern und Ursachen darunter zu tun.

Am Beginn seiner Laufbahn als Psychiater reiste Sigmund Freud 1889 nach Nancy, um sich aus erster Hand einen Eindruck von der Arbeit des Hypnotiseurs Bernheim zu verschaffen.

Was Freud sah, prägte alle späteren Schulen der Psychologie.

Ein Experiment Bernheims sah etwa so aus, dass er den Patienten in tiefe Hypnose versetzte und ihm dann eingab, auf ein bestimmtes Zeichen einen an der Tür abgestellten Regenschirm zu ergreifen, zu öffnen und über sich zu halten. Wieder im normalen Wachbewusstsein, nahm der Patient auf das Zeichen hin tatsächlich den Schirm und öffnete ihn.

Gefragt, weshalb er denn im Zimmer einen Schirm aufspanne, konnte er dann für gewöhnlich gute Gründe anführen, etwa: „Ich wollte sehen, wem er gehört“ oder „Ich wollte mich vergewissern, dass er auch richtig funktioniert“ oder „Mich interessiert, welche Marke das ist“.

Das sind alles gute Gründe, aber eben nicht der eigentliche Grund. In Wirklichkeit hatte der Patient keine Ahnung, weshalb er den Schirm aufspannte.

Er hatte einen Grund dafür, aber er kannte ihn nicht; dieser eigentliche Grund war ihm nicht bewusst, und er wurde von Kräften bewegt, von denen er nichts ahnte.

 

Denn manches muss man heilen, ohne dass die Kranken es wissen;
schon für viele ward die Kenntnis ihrer Krankheit eine Ursache des Todes.

Seneca